10 Tipps für Konzertfotos

Bildschirmfoto 2013-03-13 um 17.29.27
Foto: musikmag.de

Ich mache nun seit über 10 Jahren Fotos auf Konzerten. Seit 2003 betreibe ich das Musikmagazin Splitted.de, welches sich hauptsächlich im Großraum Hannover bewegt. Es ist mir schon öfter zu Ohren gekommen, dass das wohl zu den härter Fotografie-Disziplinen gehört. Meiner Meinung nach Ansichtssache. Ich fühle mich auf Konzerten „zu Hause“ und bin über die Konzerte auch auf das Fotografie-Thema gestoßen.

Je nach Konzert-Art hat man mit unterschiedlichen Bedingungen zu kämpfen. Je größer das Konzert ist, umso größer ist die Distanz zum Künstler. Dafür hat man auf Club-Shows mit schlechtem oder gar keinem Licht zu kämpfen. Ich fotografiere tausend Mal lieber in Clubs, da dort einfach mehr Stimmung aufkommt und man wirklich mit der Kamera mittendrin ist. Außerdem ist man bei großen Konzerten/Festivals so eingeschränkt.

Nur die ersten drei Songs und ohne Blitz (was bei dem guten Licht nicht so wild ist) ist die Grundregel. Alle paar Meter steht ein Security „im Weg“ (manche sind nett, manche fürchterlich), die Bühne ist hoch (Nasenloch-Portraits), die Fotografen werden arroganter (Zeitungsfotografen) etc..

In Clubs ist man einfach ein Teil des Publikums. Was gibt es sonst noch so zu beachten?

1. RAW ist dein Freund

Sofern es eure Kamera zulässt: Fotografiert in RAW. Dabei komprimiert eure Kamera das Bildmaterial nicht zu einer JPEG-Datei sondern liefert eine Datei mit dem reinen Sensormaterial. Damit könnt ihr in Photoshop noch eine Menge aus zu dunklen Bildern rausholen.

2. Keine Portraits!

Wie oft sieht man graue Linsen bei Konzerten. Grau heißt bei Canon Tele-Objektiv. Ergebnis sind immer Portraits von den Künstlern, nichts drumherum. LANGWEILIG. Versucht möglichst viel drauf zu bekommen. Auf Festivals ist das leider kaum anders möglich, weshalb mir das auch so wenig Spaß macht, wenn man nur im Graben sein darf.

(Das heißt natürlich nicht, das Teleobjektive auf Konzerten immer ein Zeichen für langweilige Fotos sind, und auch nicht, dass auf Festivals keine großartigen Fotos entstehen können. Ich bin einfach nur kein Fan davon.)

3. Kamera aus dem Gesicht

Dafür kriegt man eigentlich schnell mal Ärger, aber spannende Perspektiven sind nicht immer auf Augenhöhe. Also auch einfach mal fokussieren und die Kamera dann hoch oder zur Seite halten.

4. Du bist auf einem Konzert, also schau dich um!

Natürlich zieht der Künstler oder die Band die meiste Aufmerksamkeit auf sich, aber hinter und neben dir passiert genauso viel.

5. Pass auf die Belichtungszeit auf

Es kommt ganz stark auf den Kamera-Modus an, aber die Automatiken tendieren gerne dazu zu lang zu belichten. Das hat verwackelte Fotos zur Folge, die man nicht retten kann.
Ich bin nicht immer großer Fan davon, die Kamera voll manuell zu bedienen, da bei Konzerten die guten Momente viel zu schnell wieder weg sind, um die Kamera einzustellen.
Die Blendenautomatik ist dabei eine große Hilfe. Man kann dabei die Belichtung manuell einstellen (unter anderem abhängig von der Brennweite), und die Kamera regelt die Blende automatisch. Bei den meisten Konzert-Szenarien wird diese sehr weit offen sein, allerdings kümmert sich die Kamera automatisch ums Abblenden, wenn zum Beispiel Blinder ins Spiel kommen.

Die ISO setze ich meist fest zwischen 1000 und 1600 (indoor). Je nachdem, wie der Lichtmann drauf ist.

6. Behalte die Kamera in der Hand

Irgendwann während des Konzertes kommt man an den Punkt, an dem man denkt, dass man fertig mit Fotografieren ist. Quatsch!

Wenn es einen nicht ins Pit treibt, um die Band zu feiern, sollte man die Kamera mindestens griffbereit halten. Was soll passieren? Der Sänger kommt ins Publikum, das Publikum selbst legt noch einen drauf, man kommt auf dem Weg zur Theke an einem schönen Blickwinkel vorbei. (Ein Foto von Hinten über die Menge). Irgendwas gibt es immer noch.

7. Manchmal gibt es auch einfach nichts zu Fotografieren

Ich hab oft das Problem, dass ich bereits nach den ersten Fotos keinen Bock mehr habe. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die gemachten Fotos mal genauer betrachten und dann noch mal mit den Augen die Realität begutachten. Was wolltest du fotografieren? Ist da überhaupt etwas, was gut aussehen könnte? (Vor-)Bands stehen gerne mal steif rum und kriegen nur Notbeleuchtung. Nicht den Mut verlieren!

8. Denk nach

Jeder hat schon mal beim Fotografieren auf die Kamera geguckt und war enttäuscht, weil das Ergebnis irgendwie nicht gut war, obwohl das Motiv eigentlich was hat. In dieser Situation kann man einen großen Fehler machen: Aufgeben und die Kamera wegpacken. „Wird beim nächsten Mal schon wieder besser sein“. Man ist doch kein Gut-Glück-Fotograf.

Einfach kurz innehalten und überlegen, warum das Foto nicht gut ist. Ausschnitt? Zu hell oder zu dunkel? Motiv? Es gibt viele Hebel um das Foto zu beeinflussen. Ich setze mich dabei immer etwas zu sehr unter Druck, entweder wegen Zeitdruck (nur 3 Songs), oder weil ich mich beobachtet fühle, weil ich in der ersten Reihe mit der Kamera rumtanze.

9. Finde heraus, was dich entmutigt

Nach Konzerten guckt man sich seine Fotos durch, entwickelt diese, und guckt danach rum, was andere fotografiert haben.
Dabei stolpert man sicherlich auch über Fotos, die man gut findet und zweifelt dann an den eigenen. Das kann schnell entmutigen.

Anstatt jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, sollte man schauen, warum man die Fotos gut findet und sich daraus Ideen für das nächste Konzert ableiten.

10. Trau dich hoch!

Jaja, die Bühne ist natürlich nur für die Künstler, aber häufig gibt es irgendwie die Möglichkeit an den Seiten zu stehen oder auch nach hinten zu kommen. (Diese Chance sinkt natürlich der Größe der Bühne).

Dadurch ergeben sich weitere interessante Perspektiven und Einblicke. Auf der Bühne lässt sich auch immer wieder irgend ein Quatsch entdecken, den die Bands dabei haben.

 

Ich bin bewusst nicht auf die Technik eingegangen, da jeder andere finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Das lichtstarke Objektive mit mindestens 1:2,8 sehr hilfreich sind, ist klar. Empfehlen kann ich die 50mm Festbrennweite mit 1:1,8. Die gibt es sowohl bei Canon als auch bei Nikon zu einem fairen Preis.

Sind eure Erfahrungen ähnlich? Oder völlig anders? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

13 thoughts on “10 Tipps für Konzertfotos

  • Servus,
    hätte ein paar Rückmeldung…
    Das Du mit dem Thema (allein von der Reihennfolge) RAW beginnst, hat mich gewundert. Die Vorteile von RAW brauchen wir nicht disskutieren, gerade was die Nachbearbeitung angeht. Wenn die Aufnahmen von Haus aus gut und richtig belichtet sind, ist es zwar schön, dass ich die Möglichkeit hätte, da mordswas zu bearbeiten, ist aber dann gar nicht nötig.
    Hinzufügen würde ich an Deiner Stelle noch das Thema „Wie verhalte ich mich im Graben“, vielleicht die Interaktion mit Securities, Kollegen, Verantwortlichen etc. aufnehmen (gerade, wenn Dein Post an Anfänger gerichtet ist) und die Bildauswahl ansprechen.
    Beste Grüße
    Steffen

    • Hey. Danke für die Tipps!! Ich werde jetzt im Juli zum ersten mal auf einem Festival fotografieren für die Zeitung und bin richtig gespannt, ob ich das auch so hinbekommen wie ichs in meiner Vorstellung hab.

      Habe gerade deine Seite durchgeschaut und deine Arbeit gefällt mir sehr gut, ich hoffe ich komme irgendwann auch mal auf so einem Fotografischen Level 🙂

      Schönen Tag noch und liebe Grüße

  • hi,
    ich interessiere mich unheimlich für Konzertfotografie, bin eigentlich eher ein Portraitfotograf. Doch in nächster Zeit ergibt sich für mich Möglichkeiten, da ich öfter auf Konzerten bin.
    Doch wie kommt man an den Job? Einfach die Kamera mitnehmen und am Eingang nachfragen? Oder meldet man sich da vorher irgendwo beim Management?
    Danke vorraus für eine Antwort!

    • Hey,
      das muss vorher entweder mit dem Veranstalter, der Band oder dem Management geklärt sein. Ausgenommen sind natürlich keine Konzerte. Bis zu einer gewissen Größe stört sich niemand an der Kamera und du kannst deine Erfahrungen sammeln.

  • Hi Viktor!
    Tolle Tipps, vielen Dank! Noch eine grundlegende Frage von mir – welche Kamera ist denn für solche Aufnahmen am besten geeignet? Suche da im Größenbereich um die 700 Euro, also eher low-budget.
    Vielen Dank schonmal!

    • Hallo,

      es gibt keine Kamera, die für eine Art besonders gemacht ist. Also kann ich dir da gar nicht DEN Tip geben. Für das Geld würde ich mir wahrscheinlich die 700D kaufen oder eine gebrauchte Vollformat.

  • Tach,

    klasse Artikel. Genau so etwas habe ich gesucht. Ich selber besuche zig Konzerte. Nun hatte ich immer nur meine kleinen Kameras und möchte den Schritt wagen mir etwas großes anzuschaffen. Was würdest du im Preisbereich um die 1500€ empfehlen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.